Ein (leicht persönlich eingefärbter) Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse 2016

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Branchenveranstaltung der Welt. Jedes Jahr im Oktober versammeln sich Verlage, Autoren, Übersetzer, Lektoren, Illustratoren und andere Buchfreunde in den Messehallen am Main. Sie handeln Verträge aus, setzen neue Trends, simpeln fach und präsentieren ihre neuesten Werke. Frankfurt ist wie ein mehrtägiger Marathonlauf für Büchermacher, anstrengend und inspirierend zugleich, auslaugend und beflügelnd. Seit inzwischen siebenundzwanzig Jahren wohne ich diesem Spektakel bei, jeden Oktober aufs Neue. Und noch nie hatte ich dort eine bessere Zeit als diesmal.

Das lag nicht allein an den schönen kommenden Roman- und Hörbuchprojekten, die ich mit verschiedenen Verlagen vorantreiben durfte, über die ich aktuell aber noch Stillschweigen bewahren muss. Auch hatte es nur bedingt mit all den lieben Kolleginnen und Kollegen zu tun, die ich – der Beruf des Schriftstellers ist ein eher einsamer – nach langer Zeit mal wieder treffen konnte. Nein, die diesjährige Messe war vor allem aus einem Grund so besonders für mich, und dieser Grund hieß 3.1 F 38.
Das war die Standnummer des Eifelbildverlags. Halle 3.1, Gang F, Stand 38. Mein Zuhause für vier volle, tolle Tage.

Die Verleger Laali Lyberth und Sven Nieder stellten erstmalig in Frankfurt aus. Noch wenige Tage vor der Messe zeigten sie sich im Gespräch mit mir eher skeptisch. „Es ist zu früh“, fand Sven, als wir uns im Dauner Verlagshaus zu einem Vorgesprächskaffee trafen, zwei Tage vor Öffnung der Frankfurter Hallen. „Nächstes Jahr wäre die Messe vermutlich viel lohnender für uns. Noch ist unser Verlagsprogramm zu klein für eine so große Veranstaltung.“ Doch sie fuhren trotzdem hin – als Teil des Verlags Karree e.V. Rheinland-Pfalz, einem Zusammenschluss kleiner und mittelständischer Regionalverlage.

Und sie sollten sich wundern. Nein, wir alle sollten das.

Ich kann nicht für Sven und Laali sprechen. Aber ich kann bezeugen, was ich an ihrer Seite beobachtet habe, und das war – vom ersten Messetag an – unglaublich herzlich. Der Eifelbildverlag, seine Bücher und seine Macher erfuhren in Frankfurt ein sehr, sehr warmes Willkommen. Branche, aber vor allem auch Publikum nahmen interessiert und ziemlich begeistert zur Kenntnis, was da im Herzen der Vulkaneifel seit vielen Monaten so alles entsteht – und vor allem: mit welchem immensen Herzblut es entsteht. Kaum ein Moment verging, an dem nicht jemand vor 3.1 F 38 stehen blieb und uns auf unsere Exponate ansprach – auf die Bildbände ebenso wie auf die Romane der SAGENHAFT EIFEL!-Serie – und auf die Geschichten hinter den Büchern.

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Sagenhaft Eifel! auf der Frankfurter Buchmesse 2016: Christian Humberg liest.

Stichwort SAGENHAFT EIFEL!: Meine zwei Lesungen aus dem Auftaktband „Das Schloss am Maaresgrund“ waren extrem gut besucht und mir ein absolutes Vergnügen. Für jemanden wie mich, der schon als Kind mit Begeisterung durch die Frankfurter Messehallen spazierte und das Büchermachen später an der Universität von der Pike auf gelernt hat, ist es immer ein ganz besonderes Fest, ausgerechnet auf der Messe Frankfurt die eigenen Werke vorstellen zu dürfen. In diesem Jahr durfte ich es erneut – und weil Verlagskollegin Kerstin Werner leider kurzfristig erkrankte (sie grüßte ihre vielen Fans und Leser mit einer kurzen Videobotschaft vom Krankenlager, die wir auf der Bühne zeigten), durfte ich es sogar gleich an zwei Tagen. Mehr besonders geht nicht.

Buchmesse. Tagelang sprach das Team des Eifelbildverlags mit Journalisten und Kollegen, in Radiomikrofone und Fernsehkameras, mit Multiplikatoren und Neugierigen. Doch wir stellten weit mehr als einzelne Bücher oder ein kleines Verlagsprogramm vor. Wir präsentierten eine Mission. „Wissen Sie, warum wir den Eifelbildverlag gegründet haben?“, hörte ich Verleger Nieder immer wieder zu neugierigen Standgästen sagen – zu Vertretern der Landespolitik ebenso wie zu Weinköniginnen, zu Lesern ebenso wie zu Buchhändlern. „Weil wir keine Lust auf Kompromisse haben. Weil wir selbst genau wissen, wie wir diese Bücher haben wollen, und da soll uns kein Entscheider reinreden, dem sie vielleicht weniger bedeuten als uns. Und vor allem: weil wir alle nur noch geiles Zeug mit netten Leuten machen möchten.“
Dann sah er stets zu mir, hatte ich diese – zugegeben recht diskutable – Formulierung doch vor einer ganzen Weile schon geprägt. Und er zwinkerte fröhlich.
Stimmt, Sven. Genau das möchten wir. Und weißt du was? In Frankfurt ist es uns fulminant gelungen, einmal mehr.
Auf die nächste Messe, Herr Verleger! Und natürlich – und das immer – auf die nächsten tollen Bücher.

Das wird geiles Zeug!