Die Hanertkapelle bei Mürlenbach

Die Glocke am Eingang der Kapelle zu läuten, ist wie ein Gebet: Gott zur Ehre, dem Menschen zur Freude. Ein Hinweis im Inneren der Hanertkapelle bei Mürlenbach lädt die Besucher dazu ein, sie nach stillem Gebet zum Klingen zu bringen. Der Klang der Glocken wird – wie womöglich auch das Leben – von vielen Tönen bestimmt: Vom Grundton, dem Unterton und vielen mitschwingenden Obertönen.

Es gibt vielerlei Lärme.
Aber es gibt nur eine Stille.
Kurt Tucholsky: Die Weltbühne, 1925

Die Hanertkapelle bei Mürlenbach

Die Gestalter des Heiligenhäuschens machen den Ort des Gebets und der inneren Einkehr zugleich zu einem Ort, dessen Geist in die Welt hinausklingt. Errichtet wurde das Heiligenhäuschen 1911 von M. Müller, wie es stolz auf einem Stein über dem Eingang geschrieben steht, in einer Zeit, die noch nicht erahnen ließ, welche Katastrophen den Menschen der Region noch bevorstehen würden.

Zahlreiche Votivtafeln geben Zeugnis darüber, dass, wie der Klang des Glöckchens, auch die Gebete der Menschen Gehör finden, dass sie in ihren ureigensten Ängsten und Nöten Glück und Linderung erfahren. In der Fensternische des Heiligenhäuschens lehnt eine aufgeschlagene Bibel. Kerzen brennen, Blumen blühen und draußen geht der Blick weit in die Landschaft hinaus.

Heiligenhäuschen / Kapellchen in der Eifel

Heiligenhäuschen sind erstaunlich lebendige Orte der Eifel – mit einem Fenster in die Vergangenheit. Wer zu ihnen kommt, findet sie fast immer mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt. Und unermündlich brennen in ihnen kürzlich entzündete Kerzen und Lichtlein. Viele dieser Häuschen wurden erst in den letzten Jahrzehnten errichtet. Andere haben eine jahrhundertealte Geschichte. Oft stehen sie zwischen Bäumen wie Linden, Eichen, Birken oder Ahorn.
Die Heiligenhäuschen geben meist Zeugnis von der Erfüllung eines Gelübdes. Etwas Gutes ist geschehen, für das innig gebetet, und das von tiefstem Herzen erhofft wurde. Die kleinen Häuschen bieten Raum für ein, zwei – manchmal bis zu vier Personen und dienen der stillen Andacht, der inneren Einkehr, dem persönlichen Dialog mit Gott. Sie sind Orte der Selbstbegegnung – mit den eigenen Sorgen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen. Womöglich sind sie auch Orte des Haderns mit Gott und der Welt und höchstwahrscheinlich auch Orte des Trostes. Oftmals sind kleine Tafeln des Dankes angebracht. Sie zeugen von Glück und geben dem Nächsten Hoffnung.

Die Fotografie und der Text entstammen dem Eifelkalender „Heiligenhäuschen in der Vulkaneifel 2018“ der Kreissparkasse Vulkaneifel.

Fotografie: © Sven Nieder | Text © Dr. Tim Becker