Maria-Hilf-Kapelle bei Salm

So manches eifeler Wegekreuz oder Heiligenhäuschen, so mancher Bildstock markiert eine Grenze. Aus manchem Wege- kreuz, aus manchem Bildstock wurde im Laufe der Zeit ein Heiligenhäuschen. Bis hierher reicht der göttliche Segen über die Flur – ab hier betritt der Mensch eine andere Welt. Ein Gebet hier gesprochen mag bewirken, dass ein Reisender den Segen des Vertrauten mit hinübernimmt und wohlbehalten wieder zurückkehren mag. Viele Orte in der Vulkaneifel, an denen heilige Monumente errichtet werden, befinden sich auf den Grenzen eines solchen Banns, einer Gemarkung und bilden gleichsam den Horizont des heimatlichen Gebiets.

Die Seele, die kein festgestecktes Ziel hat,

verliert sich. Denn, wie man sagt,

der ist nirgendwo, der überall ist.

Michel de Montaigne, Essais, um 1580

 

Maria-Hilf-Kapelle bei Salm

Ein Wegekreuz hier errichtet, meist in Folge eines schlimmen Ereignisses, eines Unglücks, erinnert den Reisenden, dass hier nun eine andere Welt außerhalb des unmittelbar Heimatlichen beginnt und er auf Gottes Segen angewiesen ist, um heil in die Ferne zu wandern. In Salm steht ein solches Heiligenhäuschen im Osten des Dorfes, am Rande eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete der Region. Zu diesem, der Mutter Gottes geweihten Ort, pilgern die Salmer noch regelmäßig. Durch das gemeinsam rituelle Durchschreiten der Flur, die aufgehende Sonne im Rücken, wird der symbolische Horizont der untergehenden Sonne aufgesucht, um einen Segen für den gesamten Bann und die darin leben- den Menschen zu erwirken. Jedes Jahr aufs Neue.

Heiligenhäuschen / Kapellchen in der Eifel

Heiligenhäuschen sind erstaunlich lebendige Orte der Eifel – mit einem Fenster in die Vergangenheit. Wer zu ihnen kommt, findet sie fast immer mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt. Und unermündlich brennen in ihnen kürzlich entzündete Kerzen und Lichtlein. Viele dieser Häuschen wurden erst in den letzten Jahrzehnten errichtet. Andere haben eine jahrhundertealte Geschichte. Oft stehen sie zwischen Bäumen wie Linden, Eichen, Birken oder Ahorn.
Die Heiligenhäuschen geben meist Zeugnis von der Erfüllung eines Gelübdes. Etwas Gutes ist geschehen, für das innig gebetet, und das von tiefstem Herzen erhofft wurde. Die kleinen Häuschen bieten Raum für ein, zwei – manchmal bis zu vier Personen und dienen der stillen Andacht, der inneren Einkehr, dem persönlichen Dialog mit Gott. Sie sind Orte der Selbstbegegnung – mit den eigenen Sorgen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen. Womöglich sind sie auch Orte des Haderns mit Gott und der Welt und höchstwahrscheinlich auch Orte des Trostes. Oftmals sind kleine Tafeln des Dankes angebracht. Sie zeugen von Glück und geben dem Nächsten Hoffnung.

Die Fotografie und der Text entstammen dem Eifelkalender „Heiligenhäuschen in der Vulkaneifel 2018“ der Kreissparkasse Vulkaneifel.

Fotografie: © Sven Nieder | Text © Dr. Tim Becker