Die Waldkapelle bei Oberelz

Das Heiligenhäuschen nordwestlich von Oberelz lädt mit Bänken und Tisch nicht nur Wanderer zum Verweilen ein. Auch die Gestalter des Häuschens haben ihre Beziehung zur Welt manifestiert. Eine Marienstatue aus Lourdes legt nahe, dass sie von einer Pilgerreise nach Frankreich mitgebracht wurde. Neben ihr stehen zudem zwei Bildchen, welche die Marienerscheinung in Lourdes darstellen.

Man sagt, der Wanderer sei ein Sünder, weil er nicht oft zur Kirche geht.

Jedoch ein stiller Blick zum Himmel, ist besser als ein falsch Gebet.

Sinnspruch im Heiligenhäuschen von Oberelz

Die Waldkapelle bei Oberelz

Koniferen und Rhododendron haben den Weg hinauf vors Heiligenhäuschen gefunden und zeugen davon, dass die einst eifeluntypischen Gewächse längst ihren Weg in die Herzen der Gartenliebhaber der Region gefunden haben. Rundum die Fichten, deren Vorgänger die Preußen überall in der fast unbewaldeten Eifel anpflanzen ließen. Wie mag es hier 1823 ausgesehen haben?

Diese Jahreszahl ist auf dem Fachwerk angebracht, welches das Tonnengewölbe des Heiligenhäuschens stützt. In jener Zeit ist die Erinnerung an einen verheerenden Brand in Oberelz im Jahrzehnt zuvor noch sehr gegenwärtig. Auch die Bedrohung durch Hunger und Entbehrung prägt noch die Erfahrung der Menschen. Das Häuschen liegt auf dem halben Weg von Oberelz nach Retterath an einer großen Weggabelung. Ungewöhnlich dick sind die Mauern, ungewöhnlich schmal ist der Eingang und außergewöhnlich still der Innen- raum. Rosenkränze hängen hier, viele Lichter brennen, kleine Engelchen säumen die schmale Nische, in der die Figur der Maria steht. Ihr gegenüber ein Dankbild: „heilige Maria danke“.

Heiligenhäuschen / Kapellchen in der Eifel

Heiligenhäuschen sind erstaunlich lebendige Orte der Eifel – mit einem Fenster in die Vergangenheit. Wer zu ihnen kommt, findet sie fast immer mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt. Und unermündlich brennen in ihnen kürzlich entzündete Kerzen und Lichtlein. Viele dieser Häuschen wurden erst in den letzten Jahrzehnten errichtet. Andere haben eine jahrhundertealte Geschichte. Oft stehen sie zwischen Bäumen wie Linden, Eichen, Birken oder Ahorn.
Die Heiligenhäuschen geben meist Zeugnis von der Erfüllung eines Gelübdes. Etwas Gutes ist geschehen, für das innig gebetet, und das von tiefstem Herzen erhofft wurde. Die kleinen Häuschen bieten Raum für ein, zwei – manchmal bis zu vier Personen und dienen der stillen Andacht, der inneren Einkehr, dem persönlichen Dialog mit Gott. Sie sind Orte der Selbstbegegnung – mit den eigenen Sorgen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen. Womöglich sind sie auch Orte des Haderns mit Gott und der Welt und höchstwahrscheinlich auch Orte des Trostes. Oftmals sind kleine Tafeln des Dankes angebracht. Sie zeugen von Glück und geben dem Nächsten Hoffnung.

Die Fotografie und der Text entstammen dem Eifelkalender „Heiligenhäuschen in der Vulkaneifel 2018“ der Kreissparkasse Vulkaneifel.

Fotografie: © Sven Nieder | Text © Dr. Tim Becker