Ein Heiligenhäuschen aus eifeler Krotzen bei Daun

Auf dem Rücken des erloschenen Vulkans Firmerich, an der alten Straße zwischen Daun und Darscheid gelegen, steht ein Heiligenhäuschen, welches nach dem Zweiten Weltkrieg aus vulkanischem Gestein gemauert wurde. Es soll infolge eines Gelübdes von einem Boverather Bewohner errichtet worden sein, der hoffte, heil aus dem Krieg wieder zu seiner Familie heimzukehren.

Das fröhliche Herz allein ist fähig,

Wohlgefallen am Guten zu empfinden.

Immanuel Kant: Über Pädagogik, 1803

Ein Heiligenhäuschen aus eifeler Krotzen bei Daun

Wahrscheinlich denkt der Stifter weit entfernt von daheim oft an einen Sehnsuchtsort der Vergangenheit oder Kindheit. Dort wo es friedlich ist und nichts zu fürchten gibt. Für sein Heiligenhäuschen wählt er in der hochgelegenen, weit- läufigen Landschaft seiner Heimat einen markanten Ort. Spaziergänger und Wanderer befinden sich, sobald sie einen der Wege hinaufgegangen sind, über den Dingen und können ihren Blick weit umher schweifen lassen.

Nicht selten weht ihnen dabei ein kräftiger Wind um die Nase und es riecht intensiv nach Vulkaneifel: Der besondere Geruch einer Mischung aus re- gennassem Feld und nebeldurchzogenem Wald. Als Baumaterial wählt er ureigenes eifeler Material: Die vermauerten vulka- nischen Krotzen spiegeln die Rauheit von Mensch und Landschaft, aber auch die Beharrlichkeit und Dauer ihrer manchmal impulsiven Bewohner wider. Blumenschmuck und Kerzen verraten, dass er immer noch ein häufig aufgesuchter Ort ist.

Heiligenhäuschen / Kapellchen in der Eifel

Heiligenhäuschen sind erstaunlich lebendige Orte der Eifel – mit einem Fenster in die Vergangenheit. Wer zu ihnen kommt, findet sie fast immer mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt. Und unermündlich brennen in ihnen kürzlich entzündete Kerzen und Lichtlein. Viele dieser Häuschen wurden erst in den letzten Jahrzehnten errichtet. Andere haben eine jahrhundertealte Geschichte. Oft stehen sie zwischen Bäumen wie Linden, Eichen, Birken oder Ahorn.
Die Heiligenhäuschen geben meist Zeugnis von der Erfüllung eines Gelübdes. Etwas Gutes ist geschehen, für das innig gebetet, und das von tiefstem Herzen erhofft wurde. Die kleinen Häuschen bieten Raum für ein, zwei – manchmal bis zu vier Personen und dienen der stillen Andacht, der inneren Einkehr, dem persönlichen Dialog mit Gott. Sie sind Orte der Selbstbegegnung – mit den eigenen Sorgen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen. Womöglich sind sie auch Orte des Haderns mit Gott und der Welt und höchstwahrscheinlich auch Orte des Trostes. Oftmals sind kleine Tafeln des Dankes angebracht. Sie zeugen von Glück und geben dem Nächsten Hoffnung.

Die Fotografie und der Text entstammen dem Eifelkalender „Heiligenhäuschen in der Vulkaneifel 2018“ der Kreissparkasse Vulkaneifel.

Fotografie: © Sven Nieder | Text © Dr. Tim Becker