Das Heiligenhäuschen der Heiligen Birgitta am Afelskreuz

Am Afelskreuz kreuzen sich viele Wege. Im Wald oberhalb von Katzwinkel gelegen, kann der Wanderer verweilen. Bereits zu keltischer und römischer Zeit hatte dieser Weg auf den Höhen für die Menschen Bedeutung. Das große hözerne Afelskreuz trägt als Inschrift die Jahreszahlen 1231, 1931 und 1977. Die Zahl 1231 kündet von der langen christlichen Glaubensgeschichte der Eifel.

Lieben heißt: jemandem Gutes tun wollen.

Thomas von Aquin, Summa theologica, um 1270

Das Heiligenhäuschen der heiligen Birgitta am Afelskreuz

Ob in diesem Jahr bereits ein Kreuz hier oben stand, bleibt ungewiss. 700 Jahre später, 1931, errichteten die Menschen ein neues Kreuz, welches das alte, nun morsch gewordene, ersetzte. In den siebziger Jahren erfolgte die jüngste Erneuerung. Kunstvoll ins Holz hineingeschnitzt sind oben ein Kelch mit geheiligter Hostie und unterhalb der Mitte ein Herz mit Flammen und Kreuz als Sinnbild der aufopfernden Liebe von Jesus Christus zu den Menschen. Nur wenige Schritte rechts neben dem Afelskreuz steht ein mit Bruchsteinen verziertes Heiligenhäuschen. Es ist der heiligen Birgitta geweiht.

Birgitta von Schweden, Ordensbegründerin und bedeutende christliche Glaubenszeugin, lebte und wirkte im frühen 14. Jahrhundert. Von ihr sind bildreiche Visionen überliefert, die von tiefgründigen Glaubenserfahrungen von der Geburt Jesu, seiner Lehre und seinem Leidensweg Auskunft geben. Im Jahr 1999 wurde Birgitta von Papst Johannes Paul II. gemeinsam mit Katharina von Siena und der heiligen Edith Stein zur Patronin Europas erhoben. Sie ist außerdem Patronin der Pilger und für einen friedvollen Tod.

Heiligenhäuschen / Kapellchen in der Eifel

Heiligenhäuschen sind erstaunlich lebendige Orte der Eifel – mit einem Fenster in die Vergangenheit. Wer zu ihnen kommt, findet sie fast immer mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt. Und unermündlich brennen in ihnen kürzlich entzündete Kerzen und Lichtlein. Viele dieser Häuschen wurden erst in den letzten Jahrzehnten errichtet. Andere haben eine jahrhundertealte Geschichte. Oft stehen sie zwischen Bäumen wie Linden, Eichen, Birken oder Ahorn.
Die Heiligenhäuschen geben meist Zeugnis von der Erfüllung eines Gelübdes. Etwas Gutes ist geschehen, für das innig gebetet, und das von tiefstem Herzen erhofft wurde. Die kleinen Häuschen bieten Raum für ein, zwei – manchmal bis zu vier Personen und dienen der stillen Andacht, der inneren Einkehr, dem persönlichen Dialog mit Gott. Sie sind Orte der Selbstbegegnung – mit den eigenen Sorgen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen. Womöglich sind sie auch Orte des Haderns mit Gott und der Welt und höchstwahrscheinlich auch Orte des Trostes. Oftmals sind kleine Tafeln des Dankes angebracht. Sie zeugen von Glück und geben dem Nächsten Hoffnung.

Die Fotografie und der Text entstammen dem Eifelkalender „Heiligenhäuschen in der Vulkaneifel 2018“ der Kreissparkasse Vulkaneifel.

Fotografie: © Sven Nieder | Text © Dr. Tim Becker