Josef Hammen, ein Nachruf
Josef Hammen habe ich vor Jahren über die gemeinsame Arbeit am »Unser Trier Wimmelbuch« kennengelernt. Aus diesem ersten Buch wurden vier: Trier, Bernkastel-Kues, Mayrhofen im Zillertal und, in diesem Jahr, »Die Bäckerjungen von Andernach«. Das Trierer Wimmelbuch hat sich zu einem unserer erfolgreichsten Titel entwickelt und liegt inzwischen in der fünften Auflage vor, die sechste ist bereits in Vorbereitung. Dass die Bäckerjungen nun sein letztes Buch bleiben, ist schwer zu fassen.
Wer eines seiner Bücher aufschlägt, versteht schnell, warum Kinder lange über einer einzigen Seite hängen. Josef Hammen hat Städte nicht abgebildet, er hat sie bevölkert. In jeder Ecke steckt eine kleine Geschichte, ein Missgeschick, ein Witz, eine Figur, die man erst beim fünften Hinsehen entdeckt. Diese Genauigkeit kam nicht von ungefähr. Er studierte in Trier Kommunikationsdesign und arbeitete seit dem Abschluss 1993 als Grafiker, Illustrator und Maler. Wer sein Daily-Painting-Projekt »Trier, Szenen einer Stadt« kennt, 366 Bilder in 366 Tagen, weiß, woher seine Kreativität kam. Er hat genau hingesehen, jeden Tag, und er konnte alles zeichnen.
Ein Wimmelbuch entsteht nicht nebenbei. Es sind Wochen und Monate an einer einzigen Doppelseite, und es braucht jemanden, der Freude daran hat, dass die meisten seiner Einfälle nur von sehr aufmerksamen Kinderaugen gefunden werden. Josef Hammen hatte diese Freude. Die Arbeit mit ihm war unkompliziert, gründlich in der Sache und von einer Herzlichkeit geprägt, die weit über das Berufliche hinausging.
Besonders gut erinnere ich mich an die Vorstellung des Mayrhofen-Wimmelbuchs auf der Ahornhütte, auf 1.965 Metern über dem Zillertal. Das war keine Buchpremiere, das war ein großes Fest, hoch über dem Tal, mit Menschen, die sein Buch in der Hand hielten und darin ihr eigenes Dorf wiederfanden. Bis heute schmücken seine Bilder im Großformat die Ahornhütte Solche Tage bleiben.
Nun ist Josef Hammen plötzlich und unerwartet verstorben. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich als Verleger und als Mensch mit ihm verbringen durfte, für vier gemeinsame Bücher und für eine Freundschaft, die aus der Arbeit gewachsen ist. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
Seine Bilderbücher werden noch über viele Jahrzehnte aufgeschlagen, und sie werden ein Lächeln auf die Gesichter von Kindern zaubern.
Möge er in Frieden ruhen.
Sven Nieder, Juli 2026
